
Shop-Gütesiegel gibt es in fast allen Ländern – was aber noch nichts über deren Vertrauenswürdigkeit aussagt
Ein Gütesiegel weckt Vertrauen beim Käufer. Denn immerhin würde kein Shop ausgezeichnet werden, der es nicht verdient hat. Ganz so einfach ist es jedoch nicht. Es ist nicht immer bekannt, was ein bestimmtes Logo aussagt. Nicht alle Shops agieren fair und auch bei den Siegeln kann viel getrickst werden. Worauf bei den Gütesiegeln geachtet werden sollte und welche Logos im Ausland vorhanden sind, wird nachfolgend vorgestellt.
Gütesiegel – Überprüfen vor Vertrauen!
Wer international einkauft, der sollte sich nicht von jedem Gütesiegel Vertrauen vorgaukeln lassen. Vielleicht wurde ein Shop „nur“ für seine umweltfreundliche Firmenpolitik ausgezeichnet. Dies ist sicherlich ein positiver Aspekt, besagt jedoch nichts über die Qualität, den Service, die Liefergeschwindigkeit und den Preis aus. Die nachfolgenden Aspekte sollten überprüft werden.
Wofür steht das Gütesiegel?
Um dies zu evaluieren sollte die Seite des Siegels betreten werden. Dies kann über einen Klick auf das Logo erreicht werden. Sollte dies nicht funktionieren, ist eine Suchmaschine zu bemühen. Dort sollte schließlich aufgeführt sein, welche Interessen verfolgt werden.
Siegel-Leistungen
Wie in der Einleitung bereits angeklungen, gibt es eine Vielfalt von Shop Gütesiegeln, die sich oftmals spezialisieren. Es macht einen großen Unterschied, ob bei einem Shop mit Service, Qualität oder vielleicht beim besten Startup eingekauft wird.
Jahreszahlen
Einige Gütesiegelanbieter arbeiten mit Jahreszahlen. So könnte ein Shop zum „besten Online-Verkäufer des Jahres 2011“ gewählt worden sein. Dies muss jedoch nicht bedeuten, dass diese vorteilhaften Leistungen auch 2015 noch bestehen.
Echtheit
Ein Gütesiegel schafft Vertrauen und dies ist auch den Shopbetreibern bekannt. Warum also nicht mehrere Bilder von Gütesiegeln auf der eigenen Homepage anzeigen? Um die Echtheit zu überprüfen gibt es zwei Möglichkeiten. Ein Klick auf das Logo könnte ein Zertifikat öffnen. Dies wäre ein gutes Zeichen. Zuverlässiger ist es jedoch auf der Homepage des Gütesiegelanbieters zu überprüfen, ob der entsprechende Shop gelistet ist.
Eigene Siegel
Betreiber eines Online-Shops können sich natürlich auch eigene Siegel basteln. „Beste Qualität“, „Sicher Einkaufen“, „Umweltfreundlich und gut!“ – solche Aussagen in einem runden Logo mit passender Farbe machen etwas her. Dabei kann es sich um eine Marketingstrategie handeln. Es ist nicht verboten mit solchen Aussagen zu werben, auch wenn es den Anschein eines Logos erweckt.
Gütesiegel im Ausland – Welche gibt es?
In Deutschland sind insbesondere die Gütesiegel „TÜV SÜD“, „Trusted Shops“ und „EHI Geprüfter Online-Shop“ bekannt und vertrauenswürdig. Aber wie sieht es im Ausland aus? Natürlich haben Länder ihre eigenen Gütesiegel, so dass hier zunächst das Land und anschließend das Siegel genannt werden.
- Frankreich – Fevad: Der französische Verband für e-Commerce und Online-Handel wird in der Landessprache mit Fevad abgekürzt. Die Mitglieder unterliegen der Qualitätskontrolle und dem „code professionnel“ des Anbieters. Streng genommen und dies geht auch aus den eigenen Angaben hervor, handelt es sich nicht um ein Gütesiegel.
- Großbritannien – ISIS und Trusted Shops: Aus einem Zusammenschluss zweier Siegel ist ein neues entstanden. Beide Gütesiegel haben sich sicheres Online-Shopping auf die Fahnen geschrieben. Käuferschutz, Kundenbewertungen und Service werden überprüft.
- Großbritannien – SafeBuy: Ein Gütesiegel welches die Sicherheit beim Bezahlen mit Kreditkarten gewährt. Es zeigt an, dass kein Spam als Marketing verwendet wird. Kinder werden nicht ausgenutzt und der Kunde wird auf die Verwendung von Cookies hingewiesen.
- Spanien – Cofianza: „Best practices“ in den neuen Medien zu fördern ist das Ziel dieses Siegels. Das Gütesiegel ist vertrauenswürdig, wird es doch von Wirtschaft und Politik gleichermaßen eingeführt.
- Österreich – Euro-Label: Entwickelt von der Initiative des österreichischen Instituts für angewandte Telekommunikation und unterstützt durch die Bundesarbeitskammer und die Wirtschaftskammer steht das Siegel für sicheres Online-Shopping, kostenlose Streitschlichtung und überprüften Kundenservice.
- Litauen – eShops: Das litauische Siegel wird von einem Unternehmen herausgegeben. Dieses berät andere Shops und vergibt das Siegel in drei Varianten. Bronze, Silber und Gold zeichnen die Qualität des Shops aus.
- Schweden – Svensk Distanshandel: Die Regierung und ein e-Commerce Verband haben die Einführung dieses Siegels beschlossen. Auf dem Siegel prangt das Wort „Trygg“, welches sicher bedeutet.
- Dänemark – Godkendt af e-Handelsfonden: Gegründet wurde das Siegel von einer non-profit Stiftung. Der Anbieter hilft auch bei Fragen bezüglich eines gelisteten Shops weiter und ist vertrauenswürdig.
- Slowakei – Bezpecný nákup: Sicher einkaufen ist die Übersetzung des Siegelnamens. Es wird erst seit Ende des Jahres 2012 vergeben. Der Bestellprozess, Lieferzeiten, Dienstleistungen, Preise und Service werden unter anderem überprüft.
- Malta – eShop: Bereits seit 2011 gibt es das eShop Siegel in Malta. Nur wenige Shops gehören in den Kreis derer, die ausgezeichnet wurden. Es besagt, dass die Angaben auf der Shop-Seite korrekt sind und schafft auf diese Art und Weise Vertrauen.
Die Schattenseite der Gütesiegel
Die Anbieter eines Gütesiegels überprüfen die Shops nach ihren eigenen Kriterien. Diese sind zumeist auf der Homepage angegeben. Dadurch weiß der Kunde, was ihn erwartet. Aber wie sieht es bei Shops aus, die kein Gütesiegel vorweisen? Sind diese weniger vertrauenswürdig?
Nein! Tatsächlich sind die Gütesiegelanbieter nicht unabhängig und bewerten Shops ihres Landes der Reihe nach. In dieser Hinsicht sind sie vielmehr mit anderen Unternehmen vergleichbar. Die Bewertung und Auszeichnung wird im Auftrag des entsprechenden Shops durchgeführt. Dieser bezahlt dafür!
Es fließt also Geld. Dafür allein sollte die Auszeichnung natürlich nicht vergeben werden. Die Überprüfung findet statt. Aber Internetshops, welche die Anforderungen nicht erfüllen, werden zwar nicht ausgezeichnet, aber auch nicht kenntlich gemacht. Nicht einmal auf der Homepage wird über eine mangelhafte Bewertung berichtet.
Damit ist ein Gütesiegel zwar ein Qualitätskriterium, aber Shops ohne Auszeichnung können ebenfalls vertrauenswürdig sein. Der Kunde wird jedoch im Dunkeln gelassen, ob diese Anbieter überprüft worden und durchgefallen sind oder ob nie eine Überprüfung stattgefunden hat.
Alternative zu den Gütesiegeln
Eine Alternative zu den Gütesiegeln sind Portale zur Kundenbewertung. In der Regel handelt es sich hierbei ebenfalls um einen kostenpflichtigen Service. Der Shop-Betreiber bezahlt für das Feature, dass Bewertungen von Kunden auf der Homepage eingeblendet werden. Positive Kundenmeinungen machen sich immer bezahlt.
Die Bewertungen können zumeist nach abgeschlossenem Kauf per E-Mail abgeschickt werden. Anschließend werden die Bewertungen einmal in schriftlicher Form und weiterhin auch mit der Anzahl an Sternen auf der Homepage dargestellt.
Aber auch hier gibt es Kritik. Negative Meinungen werden oftmals nicht abgebildet. Und es kann auch nicht garantiert werden, dass sämtliches positive Feedback echt ist. Gerade wenn nur wenige Bewertungen vorhanden sind, sollten diese skeptisch hinterfragt werden.
Prinzipiell sind die Kundenbewertungen jedoch günstiger zu implementieren, als das Shop-Gütesiegel. Es gibt jedoch auch Portale, die beides mischen. Trusted Shops ist als Siegel in Deutschland sehr bekannt. Hier wird eine Mischung aus Sterne-Bewertung, Gütesiegel-Kriterien und Kundenbewertungen geboten.
Um Unsicherheiten zu vermeiden kann auch die Suchmaschine mit dem Suchwort „Shopname“ Erfahrungen eingegeben werden. Wenn es viele Beschwerden gibt, sollte vielleicht vom Kauf Abstand genommen werden, wobei auch immer auf das Datum der Eintragungen zu achten ist.
